Resonanz

>>Resonanzen<< entstehen, wenn sich zwei unterschiedliche Systeme überschneiden, die ein gleiches Element haben. Lebende Systeme können ebenso miteinander Resonanz erzeugen wie physikalische Körper, die auf einer bestimmten Frequenz mitschwingen.

>>Resonanz<< (von lateinisch resonare „wiederhallen“ oder „zurückklingen, -tönen“) ist das wechselseitige Mitschwingen schwingfähiger Systeme. Resonanz – Verb: „resonieren“ – ist eine Art Echo. Über das Resonanzprinzip stehen wir ständig mit allem um uns herum in Beziehung und im Austausch. Resonanz (R.) ist eines der Grundprinzipien unseres Lebens, wir können R. nicht vermeiden und wir können sie im Normalfall meist nicht gänzlich steuern.

Max Planck, der Mitbegründer der Quantenphysik, konstatiert:

„Tatsächlich gibt es überhaupt keine Materie. Alles und jedes ist aus Schwingung zusammengesetzt.“

Alles um uns herum ist Schwingung, jeder Klang, Licht, Wärme, aber auch das, was wir als „feste Materie“ zu betrachten gewohnt sind. Ebenso besteht auch unser Körper, jede Zelle, aus Schwingung bzw. Energie oder Information. Jede unserer Zellen besitzt eine gesunde Eigenfrequenz, in der sie schwingt. Sind wir im Einklang, also in positiver Resonanz mit uns und unserer Umgebung, dann schwingt unser Organismus in Harmonie, wir sind gesund und buchstäblich „gut gestimmt“.

R. basiert darauf, dass einander ähnliche Schwingungen aufeinander und miteinander reagieren. Eine Stimmgabel beispielsweise, die nicht selbst schwingt, beginnt mitzuschwingen, sobald in ihrer Nähe eine Stimmgabel der gleichen Frequenz zum Klingen gebracht wird. Genauso kann man sich unsere Zellen als eine Art winziger, aufeinander abgestimmter und miteinander verbundener Stimmgabeln, die auf der Schwingungsebene miteinander kommunizieren, vorstellen. Sind Zellen oder Zellverbände „verstimmt“, ist diese Kommunikation gestört.

Diese Schwingungskommunikation findet ständig statt. Wie Wasserwellen, die ineinander fließen, interagieren wir auf Schwingungsebene ständig mit allem, was uns umgibt. Jedes Gefühl, jedes Wort oder Gespräch, jeder Eindruck und jede Erfahrung, die wir machen, erzeugt Veränderung auf Schwingungsebene und hinterlässt Spuren in unserem System. Und hier ist der Ursprung der Dinge: Die materielle Ebene folgt den durch die Schwingungen vorgegebenen Informationen.

Ziel eines gelungenen Seminars und/oder Unterrichts ist, dass bei den Lernenden eine innere R. entsteht. Durch R. im Lern-System (=Schüler_in wie Lehrer_in) entsteht der sog. Lern-Flow. Im Lern-Flow wird der Unterricht kurzweilig und interessant. Der oder die Lernende fühlt sich angesprochen und erreicht und hat den Eindruck von sich selbst, dass ihn_sie das Unterrichtsgeschehen (unbedingt) etwas angeht (Paul Tillich).

Resonanz hängt von vielen Faktoren ab und kann nicht erzwungen werden

Wir verwenden in unserer Institutsarbeit die Klangschale als Symbol für den_die Empfänger_in oder den_die Räsonierenden eines Klangimpulses und den Klöppel als Symbol für den_die Impulsgeber_in, den_die Anreizgeber_in, den Stimulus bzw. die Dynamik

Die Symbole Klangschale und Klöppel können das Phänomen >>Resonanz<< nur komplexitätsreduziert und modellhaft darstellen. Im Zusammenspiel komplexer sozialer Systeme haben wir es mit komplexen multi-zirkulären Prozessen zu tun, innerhalb derer sich vielfältige Resonanzdynamiken vollziehen.

Die Bedeutung der R. in der psychischen Entwicklung des Menschen wurde erst durch die Ergebnisse der Säuglingsforschung richtig erkannt. Der Säugling verkümmert in der emotionalen und körperlichen Entwicklung, wenn nicht ausreichend R. und Antwort durch die Mutter bzw. die primären Beziehungspersonen gewährleistet ist. Erfährt ein Kind genügend R. auf seine Signale wie Lächeln, Schreien, Plappern, Bewegen, erlebt es sich als Urheber_in der Reaktionen des_der Anderen, z.B. der Mutter oder des Vaters, so entsteht allmählich im Säugling ein Gefühl, etwas in dieser Welt zu bewirken. Man bezeichnet dies als Effektanzerleben bzw. –gefühl. Auf diese Weise bildet sich auch ein gesundes Selbstwertgefühl heraus. Die Gesamtheit der Faktoren erzeugt im Säugling das Gefühl des Aufgehobenseins, der Übereinstimmung und er erlebt sich in resonanter Schwingung mit der Welt.

Beim Erwachsenen hat die R. die gleiche Funktion. Jeder Mensch ist auf eine fortwährende R., Rückmeldung und Spiegelung seiner Eigenart und seines Verhaltens angewiesen, um sich in der Welt und in seinen Beziehungen orientieren zu können.

Resonanzeinschränkungen in Beziehungen und Systemen

 Der_die Impulsgeber_in wird in der Regel als dynamisch und aktiv beobachtet. Optimal ist eine Beziehung, wenn der_die Resonanzgeber_in mit erwartungsgemäßem Hall zurücktönt.

In sozialen Beziehungen wird der Stimulus (Klöppel) häufig abgewertet und die resonanzgebende Person bedauert sich oder Andere als (potenzielles Opfer) (die Klangschale). Das Resonanzphänomen hat nichts mit Geschlechterrollen zu tun, doch werden oft Genderkonstrukte (Männer sind gewalttätig; Frauen werden unterdrückt oder vergewaltigt) in das Resonanzprinzip hineinprojiziert.

Die – symbolisch gesprochen – Klangerzeugung ist ein Beziehungsgeschehen, bei dem sowohl der_die Impulsgeber_in als auch der_die Wiederhallende auf das Wechselspiel achten müssen.

Beispiele für Einschränkungen der Resonanzfähigkeit

  1. Menschen mit einer Selbstwertthematik (selbstwertbeschädigte M.; narzisstische Thematik) zeigen häufig mangelnde Resonanz. Der_die Impulsgeber_in fühlt sich nicht wahrgenommen und empathisch gespiegelt. Häufig kommt es auch zu Resonanz-Verweigerung. Gibt der selbstwertbeschädigte Mensch selbst einen Impuls, erwartet er im Übermaß R. und ist irritiert oder verletzt, wenn sie ausbleibt oder schwächer ausfällt als erhofft oder erwartet. Menschen mit einer Selbstwertthematik merken häufig nicht, wenn Sie – symbolisch gesprochen – in der Klangschalle keinen Hall erzeugen können, sie reden häufig wie ein Wasserfall (>>Logorrhoe<<). Werden sie mit Ihrer mangelnden Wahrnehmung der fehlenden R. konfrontiert, zeigen sie meist eine starke narzisstische Wut.
  2. Menschen mit einem beziehungsreduzierten Persönlichkeitsstil geben emotional schwache und inhaltlich starke Impulse. Meistens irritiert die emotionale Abgeklärtheit.
  3. Menschen mit fehlerfokussiertem, schwarz-weiß-kategorisierendem Persönlichkeitsstil fixieren sich auf Richtigkeit und Inhalt des Impulses. Die beziehungsbeeinträchtigende Resonanzverweigerung wird dann als richtig konnotiert.
  4. Menschen mit rechthaberischem Persönlichkeitsstil setzen ihre Impulse möglicherweise zu stark und übersehen die schwache oder fehlende Resonanz.