Persönlichkeitsentwicklung im Kreislauf der vier Jahreszeiten

Dr. Peter Held:

Die Sommerzeit ist vorbei und es ist November geworden: Nebelschwaden, Kälte und Dauerregen. Das triste Grau in Herbst und Winter schlägt vielen Menschen auf ihr Gemüt. Ihre Stimmung ist betrübt, sie fühlen sich bedrückt und drücken sich auch selbst noch runter. In der Alltagssprache nennen wir dies gerne einen »Novemberblues«.  Für die meisten von uns drückt dieser lockere Begriff die Stimmung des Spätherbstes mit seiner Befindlichkeit recht passend aus. Vielleicht kommt der einen oder dem anderen eine Melodie in den Sinn.

»Blues« ist eine eigenständige Form schwarzer US-amerikanischer Folklore. Populäre Musiker wie Jimi Hendrix oder Eric Clapton waren vom Blues-Stil beeinflusst. Sprachlich leitet sich Blues von der bildhaften englischen Beschreibung „I’ve got the blues“ bzw. „I feel blue“ ab: Das heißt im Deutschen: „Ich bin traurig“.

In unserer jetzigen Jahreszeit einen Novemberblues zu haben, ist durchaus angemessen. Zeigt uns doch die Natur, dass der Herbst zu Ende geht, nachdem die Weinberge, Felder und Gärten bereites abgeerntet sind und Leere entsteht. Die Natur zieht sich zurück und zeigt uns ein kaltes, weniger freundliches oder lebendiges Gesicht als etwa im Sommer. Solange unser Novemberblues noch tanzbar ist, d.h. wir seine Melodie mit ihren Stimmungen noch als entwicklungsorientiert und gut lebbar empfinden, ist das seelisch gesund und zeigt uns, dass wir uns innerhalb eines natürlichen Entwicklungskreislaufs befinden. Ein Schuss Traurigkeit beim Mitsingen oder Tanzen eines Blues stellt somit erst einmal kein Problem dar. Doch bei nicht wenigen Menschen kann und darf man nicht von einem Novemberblues oder einer Melancholie sprechen, da er leider zu einer Krankheit, einer Depression geworden ist. Hier ist psychotherapeutische und medizinische Behandlung erforderlich.

 

Am exemplarischen Beispiel des Novembers wird deutlich, dass die menschliche Seele Entwicklungszyklen durchläuft, die sich an den vier Jahreszeiten unserer Natur illustrieren lassen.

In meinem »Vier-Jahreszeiten-Modell der Persönlichkeit« habe ich diesen Kreislauf dargestellt. Dieses Modell zeigt, dass jeder Mensch den Kreislauf mit durchläuft, an den Jahreszeiten orientiert, aber auch unabhängig davon. Die Untersuchung dieses Phänomens hat gezeigt, dass jede einen besonderen Persönlichkeitsstil zeigt. Wir kennen Sommer-, Herbst-, Winter- und Frühlingstypen bereits aus der Stil- und Farbberatung von Designerinnen. Mein Vier-Jahreszeitenmodell geht etwas anders vor. Es bietet zunächst einmal eine Typeinschätzung.

 

So gibt es den Winter-Persönlichkeitsstil: Menschen, die gerne denken, etwas kühl wirken und sich eher etwas distanziert und in sich gekehrt zeigen.

Der Frühlings-Persönlichkeitsstil charakterisiert Menschen, die vor Ideen sprühen, sich kreativ zeigen und sich nicht gerne festlegen lassen.

Der Sommer-Stil zeigt Persönlichkeiten, die sehr gefühlvoll und beziehungsorientiert sind.

Meistens zeigen sie sich extraviert, nicht selten aber auch machtvoll.

Der Herbst-Stil schließlich beschreibt Personen, die loyal, respektvoll und handlungsorientiert vorgehen. Sie bewerten das System, dem sie angehören, nicht selten höher als die eigene Autonomie.

Nach der persönlichen Typ-Einschätzung bietet das Modell Impulse für einen Ergänzungs- und Entwicklungsbedarf. Wir fragen nach stilistischen Anreicherungsmöglichkeiten oder benennen Verstärkungsideen der eigenen individuellen Stilistik, zeigen aber auch Schwächen und Gefahren der einzelnen Persönlichkeitsstile auf.